Das von Carl Schelenz entwickelte Sportspiel Handball startete in Deutschland am 28. November 1920 mit 91 Mannschaften in seine erste Meisterschaftssaison der Deutschen Turnerschaft. Gespielt wurde Großfeldhandball sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Ab 1922 fanden parallel Meisterschaften der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik sowie des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) statt. Als 4. Organisation kam 1927 die Deutsche Jugendkraft hinzu. Die sportpolitischen Hintergründe kann man hier nachlesen.

Im heutigen Stadtgebiet von Hennef spielte man in 4 Vereinen Handball:

  • Hennefer Turnverein (HTV); die Homepage des Hennefer Turnvereins (HTV) weist 1924 als Gründungsjahr einer eigenen Handballabteilung unter dem Dach der Deutschen Turnerschaft aus.
  • DJK Geistingen; die Gründung der Handballabteilung erfolgte am 01.04.1927 unter dem Dach der Deutschen Jugendkraft. Nachzulesen ist dies u.a. auf der Homepage des TTC DJK Hennef 1927 e.V
  • TV Söven; Gründungsjahr 1921, Handballabteilung sei 1929 unter dem Dach der Deutschen Turnerschaft.
  • TV Rott; gegründet 1903, Handballmannschaft seit 1930 unter dem Dach der Deutschen Turnerschaft.

Die Mannschaften spielten außer in Meisterschaftsspielen auch in sogenannten „Gesellschaftsspielen“ (=Freundschaftsspielen), auf Handballwerbetagen (s. H.V.Z. v. 28.05.1932) und in Hennef ab 1932 auch in der „Handballmeisterschaft im Amte Hennef“ (=Stadtmeisterschaft”) gegeneinander. Dank der H.V.Z. vom 28.05.1932 wissen wir, dass in Hennef auch eine Damenhandballmannschaft existierte.

Zu dieser Zeit gab es nur 3 Altersgliederungen: Schülerklasse, Jugendklasse und Senioren. Die Meisterschaftssaison fand zwischen September des aktuellen Jahres bis zum März des darauffolgenden Jahres statt. Gespielt wurde auch in den Wintermonaten. Wer konnte, trainierte aber in der Halle. 

Die Vereine der Deutschen Turnerschaft gehörten seit 1922 organisatorisch zum Sieg-Rhein-Gau. Ab 1931 wurde in den Spielklassen Gauklasse, Bezirksklasse, A-Klasse, B-Klasse, und C-Klasse. Der Erst- und Zweitplatzierte der Gauklasse startete in der Vorschlussrunde zur Deutschen Meisterschaft. Die genaue Spielklassenordnung der Deutschen Jugendkraft ist nicht bekannt.

In der Saison 1930/31 starteten Söven, Rott und Hennef 2 in der C-Klasse. Für Rott und Söven war es die erste Meisterschaftssaison. Söven schloß diese als Meister ab und stieg in die B-Klasse auf. Trainer der Sövener war zu dieser Zeit ein Mitglied der DJK Geistingen: Emil Hombach. Die 1. Mannschaft des HTV war in dieser Saison Aufsteiger in die Gauklasse. Auch die DJK Geistingen spielte in dieser Saison als Aufsteiger in der Gauklasse (im anderen Verband).

In der Saison 1931/32 errang Söven die Meisterschaft in der B-Klasse und stieg in die A-Klasse auf. Als A-Klassenmeister erfolgte nach der Saison 1932/33 der Aufstieg in die Bezirksklasse.

Die „Stadtmeisterschaft“ wurde in den Monaten Mai-Juni und erstmals 1932 ausgetragen. Jeder spielte einmal gegen Jeden. Der HTV gewann den vom Vorsitzenden der DJK, dem Fabrikanten P. Steimel, gestifteten Wanderpokal (s. H.V.Z. v. 14.06.1932). Diesen Erfolg wiederholten die Hennefer im Jahre darauf. Hier sind auch die Mannschaftsaufstellungen bekannt (s. H.V.Z. v. ).

1933 erfolgte die Aufteilung des bisherigen Sieg-Rhein-Gaus in den Sieg-Gau und den Rhein-Ahr-Gau. Im gleichen Jahr lösten die Nazis den Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) auf und übertrugen seine Aufgaben an den 1934 neu gegründeten Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL, ab 1938 Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen – NSRL). Die deutschen Sportverbände wurden aufgelöst oder gingen im DRL auf. Die Deutsche Turnerschaft fungierte ab 1934 innerhalb des DRL als Fachamt 1 Turnen. Die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik bildeten zunächst das Fachamt 3 Leichtathletik und Handball. Später wurde Handball eigenständig im Fachamt 4 bearbeitet. Der konfuse Kompetenzstreit der deutschen Verbände um das Handballspiel wurde durch die (jedoch aus anderen Gründen vorgenommene) Gleichschaltung des Sports beendet. Mit der Neuorganisation der Sportstrukturen ging eine räumliche Neueinteilung einher: Innerhalb der Reichsbundgau XI Mittelrhein gehörte Hennef zum 3. Kreis (Siegkreis und Teile des Siegerlandes) des Bezirk 1 (Köln) des Gaus.

1934 und 1935 gewann der SSV Geistingen die „Stadtmeisterschaften“. Ob die DJK-Handballer freiwillig zum SSV gewechselt sind oder dies der drohenden Zerschlagung der Deutschen Jugendkraft durch die Nazis vorbeugen sollte, kann spekuliert werden. Die Homepage der TTC DJK Hennef gibt 1935 als Verbot ihres Vereins durch die Nazis an.Vom entscheidenden Spiel 1935 gegen den HTV ist bekannt, dass mehr als 1000 Zuschauer anwesend waren und die Emotionen teilweise so hochkochten, dass Zuschauer den HTV-Torwart behinderten und auch tätlich angriffen.

Eine Spielankündigung in der H.V.Z. lässt vermuten, das die Stadtmeisterschaft auch 1936 ausgetragen wurde, ein Hinweis auf den Sieger konnte bisher nicht gefunden werden.

Am 20.09.1938 erfolgte der zwangsweise Zusammenschluß aller Hennefer Sportvereine zur TuRa Hennef. Vom TV Söven und TV Rott liegen über diesen Zeitpunkt keine Informationen vor. Allerdings ist der Festschrift des TV Söven zu entnehmen, dass nach der Einstellung des Spielbetriebs vom SSV Geistingen, einige Spieler von Geistingen nach Söven wechselten. Das Handballspielen wurde schon vor dem Krieg durch Arbeitsdienst und Wehrpflicht empfindlich gestört. Für den Jugendbereich ist auch darauf hinzuweisen, dass mit der Vereinheitlichung der Sportstrukturen durch die Nazis, Vereinen verboten war Jungen aufzunehmen, die nicht in der Hitlerjugend waren. Die Vereine waren gezwungen ihre Mitgliedslisten den Behörden zu übergeben, damit diese einen Abgleich durchführen konnten.